Unterwegs ins Leben - Evangelische Kirche in Hohenlohe

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Bonifatius-Kirche

Kurzer geschichtlicher Überblick
Kunst oder Kitsch? Eine Stilepoche im Widerstreit
Malereien im Chorgewölbe
Das Chorfenster
Kunstschmiedearbeiten
Grabmäler
Die Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberrot

Kurzer geschichtlicher Überblick


Urkundlich erstmals 788 n.Chr. erwähnt, zählt die Oberroter Bonifatius-Kirche zu den ältesten Kirchen im Landkreis Schwäbisch Hall. Von dem Gründungsbau ist jedoch nichts mehr sichtbar. Der älteste heute noch erhaltene Bauteil ist der Turm. Er stammt aus dem frühen 10. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit wurde die Kirche immer wieder umgebaut und erweitert.

Vermutlich 1550 wurde in Oberrot die Reformation durchgeführt. Seither ist die Bonifatius-Kirche eine evangelische Predigtkirche.

Zum 1100-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1887 n. Chr. nach Plänen des württembergischen Stararchitekten Heinrich Dolmetsch im Stil des "Historismus" umgebaut. Vom vorherigen Innenausbau bleiben keinerlei Spuren vorhanden. Eine reiche Ornamentik schmückt die zweigeschossigen Emporen und die Spitzgiebeldecke im Kirchenschiff. Biblische Szenen sind im Holzgewölbe des Chors frei aufgemalt.

1955 wurde der Innenraum der Kirche grundlegend "modernisiert". Fast alle Bemalungen und Verzierungen wurden verkleidet, überstrichen oder abgelaugt. Balkenköpfe, Holzprofile sowie plastische Ornamente wurden abgesägt. Die Kirche erhielt durch den Umbau ein schlichteres Erscheinungsbild. Nur das Chorgewölbe blieb von den "Säuberungen" verschont.

Von 1992 bis 1994 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Kirchenraums. Das Holzwerk erscheint nun weitgehend wieder in der Gestalt von 1887. Somit gehört die Oberroter Bonifatius-Kirche zu den wenigen noch erhaltenen "Dolmetsch-Kirchen". Im weiten Umkreis stellt sie eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit dar. Viele Ausflügler machen Halt in Oberrot, um das Kleinod zu besichtigen.

Besucher sind herzlich willkommen. Kirchenführungen können im Pfarramt Oberrot angemeldet werden.

Kunst oder Kitsch? Eine Stilepoche im Widerstreit

Für die Umgestaltung der Bonifatius-Kirche zum 1100jährigen Jubiläum war der Stuttgarter "Stararchitekt" Heinrich Dolmetsch gewonnen worden.

Eine Kurzbiografie Dolmetschs finden Sie hier ...


Viele seiner Kirchbauten wurden, wie die Bonifatius-Kirche Oberrot, in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts tief greifend verändert. So wurde in der Katharinen-Kirche in Schwäbisch Hall eine zusätzliche Gewölbedecke eingebracht. Hintergrund für solche Umbauten war auch die Tatsache, dass man in seinen Arbeiten keinen künstlerischen Wert mehr sah.

Dolmetsch und viele andere Architekten des letzten Jahrhunderts hatten Stilelemente vergangener Kunstepochen aufgegriffen. Für Kirchen, Kaufhäuser, Banken wurden historische Dekorationsformen aus der Romanik, der Gotik, der Renaissance und dem Barock entnommen. Teilweise konnte der Bauherr seinen Wunschstil aus dem Katalog zusammenstellen.

Kitsch oder Kunst ? Deshalb wurde der "Historismus" in der Nachkriegszeit oft als Kitsch angesehen - ohne dass man zwischen den einzelnen Architekten unterschied. So heißt es noch 1974 in einem Schulbuch für den Kunstunterricht über den Historismus: "In der zweiten Jahrhunderhälfte sank die "Nachahmung der Alten" zur bloßen Nachmacherei herab, die Architektur wurde zu einem wahren Jahrmarkt der Stile, die nur noch als leere Dekorationsformeln verwendet wurden."

Erst in den letzten Jahren hat man Werke des Historismus als qualitativ hochwertige und auch eigenständige Arbeiten erkannt. Bauten Dolmetschts gehören zu solch wieder entdeckten Werten. Manche Kirchen haben deshalb so weit wie möglich wieder ihre Dolmetsch-Fassung erhalten. So etwa die Kirche in Geifertshofen oder die Kirche in Stuttgart-Uhlbach.

Malereien im Chorgewölbe


Ein besonderes Kleinod stellen die Deckenmalereien im Chor der Bonifatius-Kirche dar. Entstanden sind sie im Zug der "Generalsanierung" unter Architekt Heinrich Dolmetsch . A. Stechert hat sie größtenteils in Freihandmalerei ausgeführt. In den 50iger Jahren fielen sie fast der "Modernisierung" durch Architekt Stenzel zum Opfer. Durch Intervention von Pfarrer Kull konnten Sie jedoch gerettet werden: "Ich bin erneut vom Kirchengemeinderat und von vielen Gemeindegliedern gebeten worden, dafür besorgt zu sein, die Deckenmalereien im Chor zu erhalten ... Mag der künstlerische Wert der Malereien gering sein, so ist dieser Bildschmuck meines Erachtens doch noch weit besser als gar keiner ..." Versuche in den 50iger Jahren, die Gemälde von der dicken Rußschicht, die sie überzog, zu befreien, schlugen damals fehl. Seit der letzten Renovierung in den Jahren 1992-1994 strahlen sie jedoch wieder in neuem Glanz.

Konzipiert sind die Gemälde als "Abglanz" des Paradieses. Sie beginnen mit einem Fries, auf dem feuerspeiende Drachen aufgemalt sind. Sie stellen die Urtiere dar. Danach folgt ein Streifen mit Mineralien, den Urbausteinen des Lebens. Tiere, die im feuchten Bereich beheimatet sind oder im Wasser leben wie Quallen, Seesterne und Korallen bilden einen weiteren Abschnitt, gefolgt von einem Fries mit Fischen. Den breitesten Raum nehmen darauf hin Malereien mit biblischen Szenen ein. Dabei hat der Maler auch eine reiche Vielfalt von Insekten dargestellt. Über diesen Motiven finden sich Vögel, Wolken und der Sternenhimmel mit Mond und Sonne. In der Mitte ist in einem großen Strahlenkranz das Christusmonogramm dargestellt, Hinweis darauf, dass Jesus die Krönung der Schöpfung ist.

Bilder mit Deteils aus dem Chorgewölbe finden Sie hier ...


Das Chorfenster


Das Gesamtthema des Chorfensters geht auf einen Gedanken von Alfred Kull zurück (1951-1964 Pfarrer in Oberrot). Biblischer Bezug ist die Erzählung von der Sturmstillung (Mk 4,35-41). Der Kirchengemeinderat hat den Schwäbisch Haller Künstler Dieter Franck mit dem Entwurf des Glasfensters beauftragt. Im Winter 1961/62 hat dieser es in seinem Atelier im Originalmaßstab gezeichnet. Ausgeführt wurde es in der Werkstätte Wilhelm Derix, Rottweil.

Eine ausführliche Interpretation des Kunstwerks und Ausschnittsbilder finden Sie hier ...

Kunstschmiedearbeiten


Kunstschlosser Emil Hettmannsperger, der mit seiner Familie nach dem Krieg einige Jahre in Oberrot lebte, gestaltete den Oberroter Turmhahn, die Messing-Lampen in der Kirche und einen schmiedeeisernen Kronleuchter mit den Symbolen der vier Evangelisten.

In seiner Oberroter Zeit hatte der Kunstschlosser auch eine Serie von sechs Opferbüchsen für den 1955 umgestalten Kirchenraum geschaffen. Sie sind allesamt schlicht gehalten und tragen als Motive christliche Symbole: Kreuz, Ähren, Brote und Fische, ein Lamm, einen Abendmahlskelch und eine Waage. Eben diese letzte Büchse mit dem Waage-Motiv rechts bei der Kirchenpforte stellt die Besonderheit dar.

Auf der rechten Waagschale liegt ein großes und auf der linken ein kleines rundes Objekt. Man sollte nun meinen, dass der größere Gegenstand die Waagschale nach unten zieht. Doch es ist genau umgekehrt. Das Kleinere wiegt schwerer als das Große.

Was ist der Hintergrund für das Motiv mit jener besonderen Physik?

Mehr dazu erfahren Sie hier ...

Grabmäler


An der Kirchenmauer sind zahlreiche Epitaphien angebracht. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1419. Die Grabmäler geben einen Einblick in die Lebensverhältnisse vergangener Zeiten.

Der jetzige Standort ist vermutlich nicht der ursprüngliche. Manche stammen wahrscheinlich aus dem Kircheninneren, wo sie in der Wand oder im Fußboden eingelassen waren. Der jetzige Standort im Freien ist den Epitaphien leider nicht gut bekommen. Sie verwittern immer mehr. Manche sind schon kaum mehr lesbar.

Im Innern der Kirche gibt es noch drei Grabmäler im Chorbereich, die sich in einem sehr guten Zustand befinden.

Die Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberrot

Eine Tabelle mit allen Evangelischen Pfarrern Oberrots finden sie hier ...

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