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Zu den neuen Fenstern der St. Anna-Kirche Die Thematik und die Gestaltung der Fenster in der St. Anna-Kirche zu Bernhardsweiler entwickelte sich wahrend einer längeren Zeit der Diskussion, die sowohl innerhalb der Pfarrgemeinde als auch mit mir geführt wurde. In diesen Gesprächen wurde die Vorgabe formuliert, daß die göttliche Gnade das Oberthema sein solle. In den sieben Fenstern sollten verschiedene Aspekte dieses theologischen Inhalts sichtbar werden. Für die Gestaltung gab es keine Vorgaben und so entstanden „gläserne Bilder“, die durch einfache gegenständliche Anklänge dem Betrachter den Zugang ermöglichen. Der gleichzeitig erkennbare hohe Abstraktionsgrad soll den Bildaussagen einen zeitlosen Charakter verleihen. Letzterem dient auch das Fehlen der Figur. Dafür ist aber der Betrachter eingeladen, sich selbst ins Bild zu versetzen und so zum Miterlebenden und Mithandelden zu werden
Meine kurze Betrachtung beginnt vom Betrachter aus links, mit dem Schöpfungsfenster. Der Schöpfungsakt ist noch in den Anfängen. Im untersten Bereich des Fensters beginnen sich Erdschichten zu formen, durchzogen von rotglühendem Magma. Darüber die Zone der Helligkeit, die entsprechend dem bewegten Geschehen zu wehen scheint - noch nichts hat seine endgültige Form gefunden. Lichtbahnen in reinem Weiß durchziehen entlang einer schrägen Mittelachse das ganze Fenster von oben nach unten. Sie stehen für das göttliche Licht, das auch in die Materie eindringt. Glühende Magmabrocken werden dabei nach oben geschleudert und schaffen so eine inhaltliche und formale Verbindung zwischen Materie und göttlichem Wirken
Das zweite Fenster hat einen alttestamentarischen Bericht aus den Buch Exodus zum Inhalt. Im Verlauf der Flucht der Jsraeliten von Ägypten in das Gelobte Land kamen sie, verfolgt durch ägyptische Soldaten, zum sogenannten Schilfmeer. Um die Flüchtenden zu retten, teilte sich das Wasser und floß erst dann wieder zurück, als die Verfolger auf dem Weg durch den See waren. Im Fenster sehen wir rechts und links die sich mächtig auftürmenden Wassermassen, die eine schmale Gasse freigeben. Den Weg weist eine Feuersäule, die über dem Durchgang schwebt. Das Bedrohliche in dieser Darstellung soll auch zeigen, wie groß das Vertrauen der Israeliten in ihren Gott gewesen sein muß, daß sie diesen Gang gewagt haben.
Im Fenster direkt über dem Altar wird das Thema Taufe angesprochen. Gedankenverbinungen zur Taufe in Jordan und zum Wasser als äußeres Zeichen beim Taufakt sowie als Voraussetzung für Leben liegen nahe. Und so zieht von einem scheinbar undendlich fernen Horizont ein Fluß durch eine wüstenhaft karge Landschaft auf den Betrachter zu. Das Wasser reflektiert gleißendes Lichtund erscheint erst ganz unten in zarten Blautönen. Und hier sieht man auch schmale Bänder in Grüntönen, die sich Wasserpflanzen gleich im Fluß schlängeln. Leben entsteht - auch in einem übertragenen Sinne.
Bei der Gestaltung des Auferstehungsmotivs im Fenster neben der Kanzel war ich mit einer recht praktischen Forderung aus der Kirchengemeinde konfrontiert: Das Fenster durfte nicht zu hell sein, da sonst die Kirchenbesucher zur Gottesdienstzeit von der Sonne geblendet werden. Und so befindet sich bei diesem Fenster, in dem dunkle Erdtöne dominieren, der Betrachter in der dunklen, leeren Grabkammer und blickt durch den offenen Eingang in das helle Licht des Auferstehungstages. Dieses Licht ist ein Zeichen des Triumphs über den Tod und gleichzeitig Trost und Verheißung für den Betrachter, denn es weist ihm den Weg aus der bedrückenden Enge des Grabes.
Hell-Dunkel bestimmt auch den Gesamteindruck des nächsten Fensters. In einem von tiefem Blau und Violett bestimmten Raum blickt man auf einen weiß gedeckten, auf den ersten Blick leeren Abendmahlstisch. Der Ausgang des Raumes am oberen Tischende läßt keinen wirklichen Blick nach draußen zu. Die Farbigkeit und die Geschlossenheit des Raumes erzeugen eine eher gedämpfte Stimmung, die das Passionsgeschehen vorausahnen läßt. Hoffnung gibt das wenige Licht, das durch das hochliegende kleine Fenster dringt. Auf der Tischfläche sind zwei Plätze durch Lichtzonen hervorgehoben. Der obere könnte der Platz Christi sein. Der Betrachter scheint direkt vor dem freien Platz am unteren Tischende zu stehen. Er ist eingeladen näherzutreten und teilzunehmen.
Die beiden verbleibenden Fenster sind weitaus heller. „Kirche„ hieß die komplexe Aufgabenstellung für das sechste Fenster. Als Zeichen für die Kirche als geistige Gemeinschaft ist ein Kirchenbau im Grundriß zu erkennen. Was lag näher, als dafür den der hiesigen St. Anna-Kirche zu wählen. Der Platz des Altars ist rot hervorgehoben. Die hier sichtbare Kirche ist offen für den Zugang von außen. Gleichzeitig werden - gemäß ihrem Auftrag - Glaubensinhalte und Grundideen nach außen getragen. Die Kirche als die Gemeinschaft der Gläubigen wird in die Zukunft hinein
weitergebaut. Deshalb schließen sich an den Grundriß bauplanartige Strukturen an, die sich nach unten hin verbreitern. Was in der Baugeschichte des Gotteshauses von Bernhardsweiler nicht möglich war wird jetzt und in der Zukunft in einem übertragenen inhaltlichen Sinne weitergebaut. Auch die neuen Fenster sind soweit möglich erkennbar. Sie stehen hier für Offenheit und schaffen in den bis zur linken bzw. rechten Fensterbegrenzung reichenden Querbahnen eine Verbindung von innen nach außen und auch umgekehrt. Oberhalb des Horizonts sind 13 Gestirne zu erkennen, die sinnbildhaft für Christus und die zwölf Apostel stehen. Eine helle, klare Achse, die vom Horizont ausgehend durch das Fenster über den Altar wie ein Weg zum unteren Fensterrand führt, schafft in ihrer Verlängerung nach oben eine Verbindung zu dem größeren zentralen Gestirn.
Über die Gnade der Liebe spricht der Apostel Paulus in besonders schöner Weise im ersten Brief an die Korinther. Ihr weist er unter allen Gnadengaben den höchsten Rang zu. Der Zyklus der Fenster von Bernhardsweiler schließt mit dem Versuch, diese Aussagen in eine Bildform zu übertragen. Die paulinische Formulierung „...und hätte die Liebe nicht...“ weist uns, farbig betont, die Richtung durch eine weite, helle „Lebenslandschaft„ zum Horizont. Weitere Fähigkeiten des Menschen, die Paulus eher in die zweite Reihe verweist, rücken - in Spiegelschrift geschrieben - zur Seite. Das Wort Macht habe ich bewußt hinzugefügt, denn auch in der Geschichte der Kirche(n) spielt Machtausübung immer wieder eine nicht zu übersehende Rolle.
Der Horizont markiert das Ende des irdischen Lebens. Dort wartet ein helles Boot, um die hier Angekommenen aufzunehmen. Hierzu sind viele Gedankenverbindungen möglich. Am naheliegendsten in einer Kirche ist vielleicht der Gedanke an die lebensbewahrende Arche. Das Bild des Bootes kennt man aber auch in der griechischen Antike: Dort geleitet der Fährmann Charon die Verstorbenen in seinem Nachen über den Fluß Styx ins Reich der Schatten. Und in den Bildern des Romantikers Caspar David Friedrich tragen Schiffe oft die Bedeutung von „Lebensschiffchen„. Das Boot liegt zur Ausfahrt in eine sehr dunkle Zone bereit, in der der Ubergang zwischen Gewässer und Himmel nicht auszumachen ist. Diese Dunkelheit hängt wie ein halbtransparenter Vorhang über dem obersten Bildviertel. Durch seine Falten scheinen vereinzelt geheimnisvoll leuchtende Blautöne. Auch hierin wieder die Anknüpfung an Paulus: „...Jetzt aber schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“
Copyright: Roland May Die Veröffentlichung dieses Textes ist - auch auszugsweise - nur mit Zustimmung und Nennung des Autors zulässig. ___________________________________________________________________________________________
Die Fenster von Bernhardsweiler
In Bernhardsweiler im hohen Runde da gibt es nun Fenster vier ganz bunte mit Themen, die passend zum Namen zu zeigen worin legt die Gnad ihren Samen Sankt Anna!
Es war ein Kampf den es zu kämpfen galt. Zu was bunte Fenster, erscholl es bald. Die Stimmen erhielten einen lauten Klang manch einem vom Kirchengemeinderat wurde dumpf und bang: Sankt Anna!
Selbst der Künstler erstaunt über den lauten Schall der seinen ersten Entwurf bringt zu Fall doch er stellt sich der Aufgabe munter und wacker und denkt sich vielleicht im Stillen „ach geht mir vom Acker„ Sankt Anna!
Zwar skeptisch doch wild entschlossen vor einem Jahr wird aus dem zweiten Entwurfe ein Modell sogar. Wir fahren zusammen in den bayr. Wald wo es miteinander die Gläser auszusuchen galt. Sankt Anna!
Ein Erlebnis zu sehen die Vielfalt im Rund. Wir verbrachten in der Hütte ein paar Stund`, bis gefunden aus Erde, Geröll und Sand die richtige Kombination vor dem Auge entstand: Sankt Anna!
Da freut sich der Künstler und eilt zurück Pfarrer und Kirchenpfleger verkünden ihr Glück Doch wieder nicht nur Jubelgeschrei holt man den Taschenrechner herbei: Sankt Anna!
Gespannt ob und wie überhaupt bezahlt das Modell beim Frühlingskaffee im Glanze erstrahlt Das Gremium der Gemeinde erwartet schon vor den Fenstern des Volkes erste Reaktion: Sankt Anna!
Doch horch, kaum ein Weinen, wenig hallend Getön, doch so manches schwache Gestöhn, das lautet voll Heinweh und Sehnsuchtsklang: „Solche Fenster, wo geht das nur lang“: Ach Sankt Anna!
Doch nun welches Kleinod, was für ein Glück in Bernhardsweiler schaut es an Stück für Stück Dort zieht man zum Kirchlein der „heiligen Ann„ zu staunen, Maus, Kind, Frau und Mann. Sankt Anna!
Die Fenster in voller Pracht zu sehen, Gottes Geschichten mit den Menschen zu gehen im Werden, im Auszug, der Taufe, am Tisch des Herrn. Zu solch einem gelungenen Werk, da kommt man doch gern. Gell Sankt Anna!
Stefan U. Kost
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